Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

Hallo Ihr Lieben,

Ihr habt Euch gewünscht, dass es hier wieder ein wenig persönlicher wird und dieser Tag heute passt perfekt dafür.

Der Tag der Deutschen Einheit,

ich kann mich als Kind noch genau daran erinnern wie ich den 9. November verbracht habe. Ihr Euch auch? Ich bin ein Wessi, durch und durch, ich bin in Frankfurt am Main geboren und habe meine ganze Kindheit im Main Taunuskreis verbracht. Ganz unbeschwert, ohne Sorgen und Nöte. Meine Mutter kommt aus dem Osten, mein Vater aus Griechenland, dessen Mutter eine Italienerin war. Also doch ein wenig Multikulti, aber vorwiegend doch mehr Ostdeutsch, da meine Oma, die Mutter meiner Mutter, aus dem Osten kommt.

Ich habe ganz viele Teile meiner Kindheit mit ihr verbracht.

Sie hat mir beigebracht zu kochen, backen, auf mich zu achten und mit Werten durchs Leben zu gehen, die heute leider nicht mehr selbstverständlich sind. Wir haben Pakete in den Osten geschickt, mit eingewecktem Obst aus ihrem Garten. Schokolade, Kaffee, Pralinen, alles was für mich vollkommen normal war kam in die Pakete. Nachgefragt habe ich nie. Mich wunderte schon, dass diese Verwandtschaft nicht regelmäßig zu Besuch kam aber ich fragte nicht weiter. Der Duft von Sauerkirschkuchen steigt mir in die Nase. Es wurde gepflückt, eingemacht und in den Keller die Holzregale gefüllt. Für den Winter, sagte meine Oma immer. Nein eigentlich ist sie meine Großmutter. Ja, eine tolle Frau die mir zeigte auf was es im Leben wirklich ankommt, mit ganz viel Liebe und Respekt wurde ich erzogen. Sie stand jeden Morgen zur selben Zeit auf, wusch sich, zog ihre Kittelschürze an und kümmerte sich um Haus und Hof und um mich ihre Enkeltochter. Sie sagte immer,

Rehlein du bist doch meine Süße

– wenn ich diese Zeilen schreibe dann laufen mir die Tränen, denn ich bin ihr so unendlich dankbar was sie für mich getan hat und das sie immer für mich da war.

Nun ist sie fast 97 Jahre alt und lebt seit kurzem in einem Altersheim und ist unglücklich. Das sehe ich an ihren Augen, sie sind leer und ich weiß was das bedeutet. Ich hoffe sie spürt das ich bei ihr bin und sie nicht verlasse, niemals, sie war meine größte Stütze in meinem Leben und der einzige Ort an den ich immer zurückkommen konnte, ohne beurteilt oder verurteilet zu werden. Sie war da und ich habe so eine Angst das, wenn sie geht, das es was mit mir macht, dass ein Teil von mir sich verändert. Ich weiß, dass sie stolz auf mich ist, das hat sie mir immer wieder gezeigt auch jetzt, wenn sie mich sieht und nicht gleich erkennt, auf einmal leuchten ihre Augen, sie glitzern richtig, ich würde ihr gerne sagen das alles gut wird, traue mich aber nicht.

Warum ich das mit Euch teile, heute lebe ich im Osten, habe einem Ossi zum Mann und bin unendlich dankbar, dass die Menschen damals den Mut hatten auf die Straße zu gehen und für sich und ihre Rechte einzustehen. Wenn das nicht passiert wäre hätte ich nicht den besten Ehemann den ich mir nur wünschen kann und wir hätten nicht unsere bezaubernden Kinder. Egal was im Leben passiert, wir müssen zusammenhalten und zusammen unsere Werte wiederbeleben, für das wir einstehen sollten wir uns nicht schämen.

Meine Großmutter hat mir beigebracht, dass man gut zu sich und zu anderen Menschen sein soll.

Wenn man etwas in einem Topf reinwirft kommt auch was zurück.

Es geht nicht darum woher wir kommen, sondern was wir daraus machen und das man sich auf einander verlassen kann. Für einander Dasein in guten und in schlechten Zeiten. Für mich ist das keine Frage, sondern eine Aufgabe, ich bin für meinen Mann, für meine Kinder meine Freunde da, wenn sie mich brauchen, egal wie schwierig die Situation ist, ich möchte ein Hafen sein, wo man immer wieder zurückkommen kann, ohne beurteilet oder verurteilt zu werden was man getan hat. Wo man einfach nur DU und Ich sein kann ohne Vorurteile.

Jeder hat einen Schutzengel und bekommt nur die Aufgaben im Leben gestellt die man bewältigen kann das hat mir meine Großmutter immer gesagt.

Sie wurde in den 20iger Jahren geboren, hat viel Leid und Unglück erleben müssen, dennoch war sie so lebensfroh und wusste immer einen Ausweg, sie hat mich verstanden und mir das Gefühl geben etwas ganz Besonderes zu sein. Das versuche ich meiner Familie auch zugeben.

heute leben wir genau 15 km von dem Ort entfernt an dem mein Mann das erste Mal vom Osten in den Westen gelaufen ist. Viele Jahre liegen dazwischen aber er erinnert sich wie heute was das für ihn bedeutet hat und wir gehen jedes Jahr an diesen Ort und erklären unseren Kindern was dort passiert ist. Für uns ist es wichtig ihnen diesen Teil der Geschichte zu erklären, denn sie gehört zu uns, ohne diese Geschichte würde es sie nicht geben.

Wie ist das bei Euch? Wie habt ihr den Tag gestern verlebt?
Erklärt ihr Euren Kindern was es mit diesem Tag auf sich hat?

Denkt mit Eurem Herzen

Eure Alex

11 Idee über “Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

  1. nici sagt:

    Vom Mauerfall weiß ich nun ja nichts wirklich. Also zumindest habe ich es nicht mit live mitbekommen. Auch wenn man natürlich heute froh ist, dass es diese Mauer nicht mehr gibt, so gibt es noch viel zu große Unterschiede zwischen Ost und West und das ist eigentlich ziemlich traurig. Vor 2 Jahren, als 25 Jahre Mauerfall in Berlin ganz groß gefeiert wurde, waren wir damals auch dabei. Gestern war ich Arbeiten. Für mich ist das jetzt kein Tag, den ich irgendwie anderes verbringe.

    Alles liebe

  2. Verena Schulze sagt:

    Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass wir den Tag der Einheit immer nutzen um 3 Familiengeburtstage gleichzeitig zu feiern … Mein Mann, ich und unsere große Tochten haben innerhalb von 10 Tagen Geburtstag, da bietet sich das an. Auch eine Form der Einheit 😉
    Aber natürlich reden wir auch über den eigentlichen Grund des Tages – das ist aber für die Kinder ganz schwer zu greifen.

  3. Hannah sagt:

    Ach das ist toll so eine Oma zu haben 🙂 ich lebe in Berlin, bin im Westen geboren und aufgewachsen und lebe jetzt im zosten. Sogar ganz nah dort wo einmal die Mauer stand. Es ist schön so viele tolle Geschichten zu lesen wo Menschen zueinander gefunden haben weil die Mauer damals gefallen ist.

  4. Sandra | Zart wie Federblümchen sagt:

    Hey du.
    Da fällt mir gerade ein Buch ein, dass Cover zieren Luftballons aber ich weiß den Namen gerade nicht und da geht es auch um den Mauerfall und eine Freundschaft. Falls ich es wiederfinde, werde ich es dir gerne sagen welches das ist. Es ist toll solche Geschichten zu hören oder zu lesen, einfach weil ich das selbst gar nicht mitbekommen habe. Ich danke dir daher für deinen Artikel.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

  5. Nicoletta sagt:

    Toller Beitrag von dir. Ich finde es sehr schön von dir, wie liebevoll du deine Oma beschreibst. Sie ist sicher sehr stolz auf dich!

    Ich bin Österreicherin, daher ist der Fall des deutschen Teils der Mauer nicht meine Geschichte, auch wenn ich es damals mitverfolgt habe. Ich denke wir alle können froh sein, dass die Generation unserer Eltern und Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg eine solch tolle Zukunft für uns – die jetzige Gegenwart – aufgebaut haben. Das sollten wir nie. Als vergessen, dass das keinen Selbstverständlichkeit ist.

    Liebe Grüße, Nicoletta

  6. Jacqueline sagt:

    Liebe Alex

    Ich komme ja aus der Schweiz und darum hatte ich gestern auch nicht frei! ;oD

    Aber ja, ich habe schon oft mit meinem Sohn über Deutschland gesprochen und ihm vieles erklärt!

    Danke Dir für Deinen schönen und interessanten Bericht!

    Hab einen schönen Tag!

    xoxo
    Jacqueline

  7. Avaganza sagt:

    Liebe Alexandra,

    ich bin zwar aus Österreich, aber ich bin alt genug um mich an den Fall der Mauer zu erinnern. Ich war noch sehr klein, aber meine Mutter war total aufgeregt, hat die Nachrichten verfolgt und mir davon erzählt. Ein wichtiger Tag und irgendwie unvorstellbar dass es noch gar nicht soooo lange her ist …

    Liebste Grüße
    Verena

  8. Sigrid Braun sagt:

    Ein ganz toller und sehr ans Herz gehender Beitrag von dir. Ich finde es ganz lieb wie du über deine Oma schreibst, man ließt aus jedem Wort, wie sehr du an ihr hängst.
    So eine Enkelin wünscht sich wohl jede Oma und ich hoffe, dass meine Enkel auch so über mich denken.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  9. Platz-nehmerin sagt:

    Der Tag der deutschen Einheit ist bei uns immer Tag des Staus, weil ich in Österreich in einer Stadt nahe der deutschen Grenze wohne. 🙂
    Gestern habe ich mir eine Doku angeschaut, Currywurst und Spreewaldgurken oder so ähnlich. Es gibt mir als Österreicherin Einblicke.
    Danke für die Erinnerungen, die Du mit uns teilst. Ich habe in den letzten Jahren viele Bücher von Sabine Bode gelesen, Kriegsenkel, Kriegskinder… auch sie gaben Einblick in die Entwicklung der ganzen politischen Situation des Mauerbaus mit ihren geografischen und familiären Auswirkungen. Wie so eine Mauer die Mentalität verändert.
    Es beschäftigt mich – auch als Österreicherin

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