Bonuskinder wie gibt man Ihnen Flügel zum Fliegen

Als sie damals vor meiner Tür stand und bei uns einzog war es Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte so ein Gefühl, das nie mehr verging. Sie passt zu uns als ob sie schon immer da war. Jetzt denkt Ihr bestimmt, so ein Quatsch das gibt es nicht. Gibt es auch nicht.
Wir mussten uns auch aneinander gewöhnen, das hat aber nicht lange gedauert. Ich kann mich 100% auf sie verlassen. Ich vertraue Ihr.

Denn Sie gehört zu mir wie meine beiden leiblichen Kinder.

Für mich gibt es keinen Unterschied. Ich kann jedoch jeden verstehen bei dem es anderes ist.

Ich glaube der Unterschied ist das ich sie in mein Herz eingeschlossen habe. Da lass ich sie nie wieder raus.
Meiner Verantwortung bin ich mir mehr als nur bewusst. Ich möchte niemanden ersetzten. Ich möchte für ihr Leben eine Bereicherung sein.

Mehr nicht.

Natürlich ist es so, wenn man jemanden in sein Herz lässt gibt es Momente in denen man verletzt wird. Ja so ist das auch bei uns. Ein falsches Wort, ein falscher Blick, einen Moment nicht achtsam und schon ist sie da, die schlechte Laune. Ich habe gelernt in den letzten Jahren es als Kompliment zu sehen. Wenn meine Kinder völlig grundlos schlechte Laune bekommen. Die Welt da draußen, außerhalb unseres Ponyhofs, ist rau. Man muss sich zusammenreißen, kann nicht so sein wie man wirklich ist, muss sich der Norm anpassen. Seinen Freigeist ausleben zu können muss man sich hart erarbeiten, Deswegen braucht man Flügel zum Fliegen.

Das versuche ich meinen Kindern zu schenken. Meine Kämpferin hat Ihre Flügel schon, nur muss sie jetzt lernen sie auch einzusetzen.

Nichts ist umsonst im Leben, jeden Zentimeter muss man selber geben.

Leider ist das so. Das Abitur steht nächstes Jahr an und der Druck war noch nie höher. Der Druck den sie sich selbst auferlegt. Den Druck, den wir ihr als Eltern machen. Den Druck, sich selbst zu finden. Die ersten Erfahrungen, die man alleine machen muss. Natürlich würde ich ihr gerne helfen. Das hilft ihr aber nicht. Es ist anstrengend, ein Fähnchen im Wind zu sein. Es ist vielleicht anstrengender als die eigene Meinung zu vertreten. Jeder macht seine Erfahrungen im Leben. Das sagt sich immer so leicht. Nur leider muss man diese Erfahrungen machen, egal wie schmerzhaft sie sind. Sie machen etwas mit einem. Sie machen uns erwachsen und lehren uns Verantwortung für uns selbst zu übernehmen.

Ich würde ihr gern so mache Erfahrung ersparen, das geht aber nicht. Man holt sich auf dem Weg zum Erwachsenwerden Blessuren, Kratzer und Wunden. Das macht Menschsein aus. Erfahrungen aus denen wir im besten Fall lernen und die uns lehren, wie das Leben läuft.
Wenn ich meine Kämpferin ansehe bin ich mächtig stolz. Stolz darauf, dass sie immer wieder aufsteht. Sie kämpft.

An allen Fronten ohne, dass sie es mitbekommt. Sie macht ihren Weg. Jetzt muss sie das nur noch selbst erkennen. Dass sie toll ist. Dass das Leben schön ist und man immer kämpfen muss um sein Ziel zu erreichen. Kopf in den Sand stecken hilft leider nicht. Schön wäre, wenn es funktionieren würde. Nur leider klappt das nicht. Der Sturm vergeht aber die Schäden bleiben. Jemand muss sie wegräumen.

Also doch aufstehen.
Oder was meint Ihr? Wie versucht Ihr eure Kinder auf die raue Welt da draußen vorzubereiten ?

Denkt mit Eurem Herzen – Entdecke das Blaue in Dir!

Eure Alex

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6 Idee über “Bonuskinder wie gibt man Ihnen Flügel zum Fliegen

  1. Madlen sagt:

    Ich bewundere deine Einstellung und dein großes Herz. Ich wünschte, dass allen Trennungs- oder Scheidungskindern mit dieser Offenheit, Toleranz und Respekt begegnet werden würde – sie hätten es verdient ; sind sie doch die größten Opfer einer Trennung. Viel zu oft muss man mit ansehen, wie sie wie “ störende Kreaturen beiseite geschoben werden“.

  2. Christin sagt:

    Über die Frage, ob man seine Kinder wirklich auf die raue Welt vorbereiten kann, musste ich erstmal nachdenken. Natürlich können wir ihnen die Basics mit auf den Weg geben. Aber im Wesentlichen muss man sie laufen lassen, damit sie ihre eigenen Erfahrungen machen und an den Herausforderungen wachsen. Was sie dann ganz dringend brauchen, ist eine Schulter zum Anlehnen und ein Ohr zum Zuhören.
    Ich musste lächeln, als ich deine Sichtweise der schlechten Laune welches als Kompliment zu verstehe ist, las. Gerade heute sitzt mein Siebenjähriger am Tisch und war nur am Motzen. Das ging leider schon den ganzen Tag, angefangen beim falschen Pullover heute morgen bis hin zu den Hausaufgaben heute Nachmittag. Er hatte so schlechte Laune, dass er mit Weinen anfing, sein Bruder tat es ihm aus Solidarität gleich. So hatte ich zwei heulende Kinder und ich hätte gerne mit eingestimmt. Tatsächlich hätte ich sie am liebsten direkt ins Bett gebracht – leider war es erst 17 Uhr. Jetzt, wo beide schlafen, denke ich darüber nach, warum der Tag so lief wie er lief. Mit etwas Abstand sehe ich das jetzt viel entspannter. Man muss es einfach mal hinnehmen, dass nicht jeder Tag super ist. Auch bei Kindern nicht. Wenn man bedenkt, mit welchem Druck sie umgehen müssen, ist es schon beachtlich was sie alles meistern. Die Anforderungen sind hoch, die wir Eltern an sie haben und natürlich Lehrer und Erzieher. Da brauchen sie einfach mal ihre Auszeiten, auch wenn das in Form von schlechter Laune ist. Nach den Regenwolken kommt auch wieder Sonnenschein.

    • Alex sagt:

      Liebe Christin,
      ich danke Dir für die offenen Worte. Gemeinsam teilen der Gedanken hilft uns allen Besser mit der ein oder anderen Situation umzugehen.
      Liebe Grüße Alex

  3. Sabine sagt:

    Alex, was für ein toller Blog und schöner Artikel! Wirklich beachtenswert wie sehr du deine Stiefkinder liebst und ihnen kein „Ersatz“ sein möchtest, sondern ihr Leben bereichern willst / bzw. tust! Die Frage, wie man Kinder auf das „Leben außerhalb der Bubble“ am besten vorbereitet, stelle ich mir auch fast täglich. Und ich komme immer zum gleichen Ergebnis: Erfahrungen müssen sie selber machen, Herausforderungen des Lebens annehmen, Lösungen suchen, finden, umsetzen und damit wachsen. Jede Niederlage bringt immer irgendwann etwas positives mit sich, man muss nur lernen es zu erkennen. Wir als Eltern (egal ob Stiefkinder oder eigene Kinder) können Ihnen nur zeigen dass wir immer für sie da sind, sie unterstützen und sich bei uns geborgen fühlen können – auch wenn man vielleicht mal unterschiedlicher Meinung ist. Am Ende zählt das Miteinander und der liebevolle Umgang. Und: Das Leben ist schön! 🙂

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